SO laut? Muss das sein?
Wir rückten vor Kurzem zusammen mit der Feuerwehr Piflas zu einem gemeldeten Wohnungsbrand aus.
Ein Rauchmelder hat um 22:24 Uhr ausgelöst und Rauch war von Außen sichtbar.
Sofort machten sich Fahrzeuge unserer Feuerwehr auf den ca. 850 Meter langen Weg zum Brandort.
Die Lage war bis dahin noch unklar.
Angebranntes Essen auf dem Herd, Mieter eingeschlafen.
Der „Klassiker“.
Die Türe wurde gewaltsam geöffnet, der Herd abgestellt, das Essen entfernt, der Mieter geweckt und durch den Rettungsdienst überprüft.
Ungefähr sechs Minuten nach der Alarmierung kam ein unschöner Text in Facebook durch einen Anwohner.
Hier der Text:
22:30 Uhr habt ihr auch die Sirenen vom Rettungswagen gehört?
Ich frage mich, ob es wirklich notwendig ist, nachts mit eingeschalteter Sirene so laut durch die Straßen zu fahren.
Mir ist selbstverständlich bewusst, dass sich in einem solchen Fahrzeug möglicherweise eine schwer erkrankte oder verletzte Person befindet und dass Rettungskräfte sowie die Polizei ihre Signale nicht ohne Grund einsetzen. Dennoch frage ich mich, ob es insbesondere in den späten Nachtstunden nicht Möglichkeiten gibt, die Lärmbelastung für die Anwohner zu reduzieren, ohne dabei die Sicherheit zu gefährden.
Ich bin selbst Autofahrer und halte es für selbstverständlich, bei Blaulicht Platz zu machen und Einsatzfahrzeugen die notwendige freie Fahrt zu ermöglichen. Schließlich wird das Blaulicht nicht aus Langeweile eingeschaltet, sondern weil ein dringender Einsatz vorliegt.
Meines Wissens wird beispielsweise in einigen Großstädten nachts, insbesondere ab etwa 22 Uhr, soweit es die Situation zulässt, teilweise nur mit Blaulicht gefahren und auf das akustische Signal verzichtet. Die Sirene kommt dann insbesondere dort zum Einsatz, wo sie aufgrund der Verkehrssituation oder der Dringlichkeit tatsächlich erforderlich ist.
Mich würde interessieren, wie ihr das seht: Ist der Einsatz der Sirene auch mitten in der Nacht grundsätzlich notwendig, oder könnte man in bestimmten Situationen stärker auf die nächtliche Ruhe der Anwohner Rücksicht nehmen?
Auf diesen Post wurde unsererseits am 01.09.2026 um 08:16 Uhr geantwortet!
Hier unser Text:
Einsatz ja, aber bitte leise!
Es gibt wieder mal einen kleinen Bericht in eigener Sache.
Gestern wurden wir zusammen mit der Feuerwehr Piflas zu einem gemeldeten Brand alarmiert.
Alarmmeldung: Brand im Gebäude, Rauchentwicklung durch Fenster sichtbar, Alarm hörbar. Alarmzeitpunkt 22:24 Uhr.
Einsatzinfo:
Angebranntes Essen auf einer Herdplatte.
Die Ursachen der Einsätze sind bei der Alarmierung leider nie bekannt.
Zu dieser Zeit waren viele Feuerwehrangehörige zuhause auf der Couch oder sogar schon im Bett.
Innerhalb von Sekunden gibt der Piepser Alarm. Wach werden, anziehen, ins Auto und zum Gerätehaus fahren, umziehen, ins Fahrzeug und ausrücken.
Der Adrenalinspiegel und die Ungewissheit auf das zu Erwartende sind sehr hoch.
Einige Mannschaftsmitglieder rüsten sich bereits während der Anfahrt mit Atemschutzgeräten aus. Gruppenführer und Verantwortlicher der Einsatzmannschaft überlegt sich bereits auf Ansatz die ersten Einsatzschritte.
Der Fahrer kümmert sich um das bis zu 16 to schwere Einsatzfahrzeug, den Streckenverlauf und um die anderen Verkehrsteilnehmer.
Jede Einsatzkraft hat seine bestimmten Aufgaben.
Gerade die Einsatzfahrt birgt viele Risiken. Auto-, Fahrrad-, Scooterfahrer, Fußgänger und auch Kinder sind sehr gefährliche Einflüsse auf die Einsatzfahrt.
Hierzu gibt es Hilfsmittel der Feuerwehr, Blaulicht und Martinshorn.
Gerade der Einsatz dieser Mittel ist in Gesetzen geregelt.
Ein Blaulicht ohne Martinshorn hat keinerlei Vorrecht im Straßenverkehr.
Natürlich ist es nicht in Ordnung, bei langen Strecken ohne Verkehr, ohne Bebauung und ohne andere Einflüsse das Martinshorn einzuschalten, aber gerade in dicht besiedelten Wohngebieten oder bei Verkehrsaufkommen MUSS ein Martinshorn eingeschaltet werden.
Zum einen als Schutz und Information an alle Verkehrsteilnehmer und zum anderen als Schutz von uns selbst. Und hier ist nicht nur der Versicherungsschutz gemeint.
Teilweise werden die Feuerwehren trotz eingeschalteten Martinhörner übersehen bzw. überhört.
Ein Martinshorn bringt einen erheblichen Zeitvorteil zum Erreichen des Einsatzortes.
Die Fahrer der Fahrzeuge wägen in jedem Einsatzfall den Gebrauch des Martinshornes ab.
Bei einem Brand mit Personen bzw. Verkehrsunfällen wird aber in jedem Fall bei bestimmten Situationen das Martinshorn eingesetzt.
Beim gestrigen Fall wurde bereit vier Minuten nach Alarmierung bereits der erste Eintrag in Facebook gepostet.
Ein Bürger „beschwerte“ sich über den Einsatz des Martinshornes, ob dies den nötig sei, Strecken, um diese Uhrzeit so laut zu fahren.
Einige „Fürsprecher“ schlossen sich diesem Eintrag an.
Sehr geehrte Herren Umar Bázárbáév, Gerhard Rechner und Frau Babs Vilsmeier, (Namen laut FB-Post´s) bitte entschuldigen Sie unsere Einsatzfahrt mit Martinshorn.
Es tut uns leid, Ihre Nachtruhe gestört zu haben. Noch dazu muss Herr Bázárbáév wie berichtet um 05:00 Uhr aufstehen.
Bei einigen Feuerwehrmitgliedern klingelte zu dieser Zeit ebenfalls der Wecker.
Uns „fehlen“ aber bei solchen Einsätzen einige Stunden unserer Nachtruhe, während sich andere Nichtbeteiligte bestenfalls wieder umdrehen und weiterschlafen.
Wir wollen mit diesem Text KEINEN Ärger und unnötige Post´s in den Medien hervorrufen, aber wir wollen und werden immer Stellung zu unserer (ehrenamtlichen) Arbeit für die Bürger nehmen.
WIR sind JEDERZEIT zu Gesprächen bereit!
Scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren.
Kommen Sie doch am 26.09.2026 zu unserer „Langen Nacht der Feuerwehr“ oder am 27.09.2026 zu unserem Tag der offenen Tür. (Info´s hierzu folgen)
Geben Sie sich zu erkennen und suchen Sie das Gespräch. Gerne werden wir uns mit Ihnen über die Arbeit der Feuerwehr zu JEDER Tages- und Nachtzeit unterhalten.
Beste Grüße Feuerwehr Ergolding
Auf unseren Text bekamen wir eine wahnsinnige positive Resonanz und Unterstützung.
Insgesamt (bis jetzt) 3.500 Likes auf unserer Seite. Etliche Likes auf den beiden anderen Ergoldinger Seiten kommen noch hinzu.
sogar die Landshuter Zeitung widmete uns eine halbe Seite in ihrer Ausgabe vom 02.09.2026.
Es bestärkt uns in unserer aufgabe WAS wir tun und WIE wir es tun.
Herzlichen Dank an ALLE, die Verständnis für unser Tun aufbringen.
Wir sind nicht immer spitze und machen auch unsere Fehler.
Entschuldigung hierfür, ABER wir sind IMMER da wenn wir gebraucht werden.
Gott zur Ehr´, dem Nächsten zur Wehr.
Freiwillige Feuerwehr Ergolding